Der Wolf kehrt zurück – Wolfserwartungsland Nordrhein-Westfalen

Seit 17 Jahren leben wieder Wölfe in Deutschlands freier Wildbahn. Die ersten Wölfe sind aus Ostpolen eingewandert, das haben genetische Untersuchungen gezeigt. Im Jahr 2000 wurden in der sächsischen Oberlausitz erstmals wieder Wolfswelpen in Freiheit geboren. Ende April 2016 sind 46 Rudel, 15 Paare und vier sesshafte Einzeltiere in Deutschland nachgewiesen. Jungwölfe verlassen ihr Rudel in der Regel mit dem Erreichen der Geschlechtsreife im zweiten Lebensjahr. Diese sogenannten Wanderwölfe legen auf der Suche nach einem neuen Territorium zum Teil große Entfernungen zurück: Der im März 2016 im Kreis Lippe nachgewiesene Jungwolf verließ sein elterliches Rudel in Cuxhaven im Februar 2016 und lief in 104 Tagen etwa 900 Kilometer durch Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bis nach Rheinland-Pfalz. Ende Mai 2016 wurde seine Anwesenheit zurück in Niedersachsen bestätigt. Diese durchreisenden Wölfe zeigen uns, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Wölfe auch im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW wieder heimisch sind. Der Teutoburger Wald, die Senne, das Sauerland, das Siegerland und die Eifel mit hohen Wildtierbeständen und genügend Rückzugsmöglichkeiten gelten als Wolfserwartungsgebiete.

Seit dem Jahr 2009 wurden vereinzelt Wölfe in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen. Bisher handelt es sich um durchziehende Einzeltiere und noch nicht um sesshafte Wölfe. Insgesamt gab es siebzehn Wolfsnachweise seit 2009 – Wölfe wurden per DNA bestätigt, es gab bestätigte Sichtungen, Fotos von Wildkameras und einen Todfund.

Bitte entnehmen Sie alle Wolfsnachweise in Nordrhein-Westfalen
seit 2009 den folgenden Karten:

Die Punkte auf der Karte stehen nicht für die Anzahl der Wölfe: Oft wurde ein Tier an unterschiedlichen Orten nachgewiesen.

Wolfsnachweise in Nordrhein-Westfalen (Stand: 05/2017): Karte Google Maps

Wolfsnachweise in Nordrhein-Westfalen seit 2009:

19. Mai 2017: Fotos und ein Video belegen Wolf im Oberbergischen Kreis

In der Nähe von Gummersbach-Apfelbaum konnte am Nachmittag des 19.05. eine Beobachterin mit ihrem Sohn einen Wolf auf einer Wiese bei strömenden Regen fotografieren und kurz filmen.
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02. April 2017: Todfund im Kreis Minden-Lübbecke

In Petershagen, Kreis-Minden-Lübbecke, wurde ein Wolf überfahren. Das Tier ist verendet. Der identifizierte Wolfsrüde GW679m kam aus der Altengrabower Heide im Grenzgebiet von Sachsen-Anhalt und Brandenburg.
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25. Februar 2017: Bestätigte Sichtung im Hochsauerlandkreis

Am Samstag, den 25.02.2017, wurde südöstlich von Brilon im Hochsauerlandkreis zwischen Hoppecke und Bontkirchen ein Wolf beobachtet. Der Wolf lief ein Stück parallel zur Landstraße und konnte von einer Beobachterin aus dem Auto heraus fotografiert werden.
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23. Februar 2017: DNA-Nachweis auf dem Truppenübungsplatz Senne im Kreis Lippe

Am 23.02.2017 wurde auf dem gesperrten Truppenübungsplatz Senne ein weibliches Stück Damwild gefunden, welches mit einem Biss in die Kehle getötet und dann angefressen worden war. Der zuständige Wolfsberater hat das Tier untersucht und einen Speichelabstrich für die genetische Untersuchung genommen. Die Probe wurde vom Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen untersucht: Das Damtier wurde von dem Jungwolf GW666m getötet.
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21. Februar 2017: Bestätigte Sichtung im Kreis Lippe

Einem Autofahrer ist im Lemgoer Ilsetal ein Schnappschuss eines Wolfes gelungen. Es wurden Pfotenabdrücke gefunden. Das Umweltministerium NRW hat anhand der Bilder und Spuren einen Wolf bestätigt. Ob es der Wolf aus Bad Oeynhausen ist, bleibt vorerst unklar. Aufgrund der räumlichen und zeitlichen Nähe der Nachweise ist dies jedoch wahrscheinlich.
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20. Februar 2017: Bestätigte Sichtung im Kreis Minden-Lübbecke

Der erste Wolfsnachweis in NRW in 2017 – das Landesumweltamt NRW bestätigt, dass nördlich von Bad Oeynhausen im Ortsteil Bad Oexen am 20. Februar gegen 9.45 Uhr ein Wolf beobachtet werden konnte. Dem Beobachter Marco Brentführer gelangen vom Auto aus mehrere Fotos. Der Wolf lief aus Richtung Wöhrener Siek kommend über die Felder und verschwand in Richtung Wiehengebirge. Da bisher weder Haare, Speichel oder Kotproben vorliegen, ist die Herkunft und auch das Geschlecht des Tieres unbekannt.
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28. April 2016: Wolfsnachweis im Kreis Wesel

Ein weiblicher Wolf wurde im Kreis Wesel nachgewiesen. Das Tier hat in der Nacht zum 28.04.2016 auf einer Weide in der Gemeinde Hamminkeln drei Ziegen gerissen und mehrere Schafe verletzt. Die genetischen Befunde lassen eine Zuordnung der Wölfin zur zentraleuropäischen Population zu, welche ihren Ursprung in Polen hat. Dieses weibliche Tier wanderte zurück nach Niedersachsen und wurde im Oktober/November 2016 in Bippen im Landkreis Osnabrück nachgewiesen.
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23. April 2016: Wolfsnachweis im Kreis Steinfurt

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat eine Sichtung eines Wolfes am Samstag, den 23.04.2016 in Laggenbeck im Tecklenburger Land (Kreis Steinfurt) offiziell bestätigt.
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Goodbye NRW: Jungwolf wandert zurück nach Niedersachsen

Zuvor bestätigter Jungwolf aus Cuxhaven verlässt NRW: Das Tier wurde am 24.04.2016 in Dierdorf, Kreis Neuwied, in Rheinland-Pfalz und am 30.05.2016 in Bode, Kreis Uelzen, in Niedersachsen nachgewiesen.
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19. April 2016: Wolfsnachweis im Rheinisch-Bergischen Kreis

Der Jungwolf aus Cuxhaven, der am 26./27. März im Kreis Lippe und am 6. April im Kreis Warendorf nachgewiesen werden konnte, wanderte weiter bis nach Rösrath im Rheinisch-Bergischen Kreis. Am 24. April wurde seine Anwesenheit in Rheinland-Pfalz bestätigt.
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6. April 2016: Wolfsnachweis im Kreis Warendorf

Genetische Untersuchungen erbrachten jetzt den offiziellen Nachweis eines Wolfes in Oelde-Sünninghausen im Kreis Warendorf (gerissene Schafe in der Nacht zum 6.04.2016). Bei diesem Wolf handelt es sich um einen jungen etwa ein Jahr alten Wolfsrüden aus dem Rudel im niedersächsischen Cuxhaven. Der räumliche und zeitliche Zusammenhang der Nachweise in den Kreisen Lippe, Paderborn, Gütersloh und Warendorf macht es sehr wahrscheinlich, dass es sich immer um denselben Jungwolf aus Cuxhaven handelte.
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3. April 2016: Wolfsnachweis im Kreis Gütersloh

Das nordrhein-westfälische Umweltministerium bestätigte, dass in Rietberg, Kreis Gütersloh, ein Wolf am 3.04.2016 durch Videoaufnahmen festgehalten wurde. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat das Video vom LUPUS-Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland überprüfen lassen. Von dort wurde bestätigt, dass es sich bei dem Nachweis in Rietberg um einen Wolfswelpen handelt. Die Örtlichkeit wurde zudem von einem Wolfsberater im Auftrag des LANUV auf weitere Spuren untersucht. Vor Ort festgestellte Tatzenabdrücke (Trittsiegel) unterstützen den Nachweis eines Wolf-Jungtieres.
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30. März 2016: Zwei Wolfsnachweise im Kreis Paderborn

Durch genetische Untersuchungen von Proben, die an toten Schafen in der Gemeinde Borchen am 30. März 2016 genommen wurden, konnte das Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen den Wolfsverdacht bestätigen.
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Das Tier, das den Verkehrsunfall am 30. März auf der Landstraße 776 in der Nähe von Oberntudorf verursacht hat, war ein Wolf. Dies teilt Landrat Manfred Müller am Donnerstagnachmittag (7. April) mit. Dies ist im Kreis Paderborn der erste Wolf seit dem Jahr 1804.
Zur Pressemitteilung des Kreises Paderborn

27. März 2016: Wolfsnachweis im Kreis Lippe

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat in Abstimmung mit dem LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Sachsen Filmaufnahmen aus Sommersell/Barntrup im Kreis Lippe vom 27.03.2016 als C1-Nachweis gewertet. Es wurde ein Video einer Wildkamera ausgewertet, das das Tier auf einer Weide zeigt. Bestimmte Merkmale wie Kopf- und Ohrenform, eine schwarze Schwanzspitze sowie die Färbung des Rückens weisen eindeutig auf einen Wolf hin.
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22. Januar 2015: Fotofallenbilder belegen einen Wolf im Kreis Siegen-Wittgenstein

Das nordrhein-westfälische Umweltministerium bestätigte nun, dass im Kreis Siegen-Wittgenstein am 22. Januar eine Wildkamera in einem Waldgebiet einen Wolf festgehalten hat. Geprüft wurden die Bilder durch das „Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland“ (LUPUS) in Spreewitz.
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27. Dezember 2014: DNA-Nachweis im Kreis Minden-Lübbecke

DNA-Spuren aus dem Oppenweher Moor in Stemwede im Kreis Minden-Lübbecke belegen die Anwesenheit eines Wolfes. Nach Angaben eines Ministeriums-Sprechers wurde zudem nahe der Grenze zu Niedersachsen ein Wolf mehrmals von einer Fotofalle erfasst.
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23. November 2009: DNA-Nachweis in Muddenhagen im Kreis Höxter

DNA-Nachweis in Muddenhagen im Kreis Höxter durch den Wolf im Reinhardswald (verendet 2011)
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Eine repräsentative → Umfrage des Forsa Instituts aus dem Jahr 2015 sowie eine → WWF-Umfrage (2014) hat ergeben, dass die Mehrheit in Deutschland eine Rückkehr der Wölfe positiv bewerten. Für alle Natur- und vor allem Wolfsschützer eine erfreuliche Nachricht. Die vielseitige Öffentlichkeitsarbeit ist nicht ungehört geblieben. Jetzt gilt es jedoch, diesen Trend auch dann aufrecht zu erhalten, wenn es negative Schlagzeilen seitens der Wölfe gibt. Vor allem wenn in der eigenen unmittelbaren Nachbarschaft nicht ausreichend geschützte Schafe oder Ziegen gerissen werden. Erst dann wird sich zeigen, wie diese Umfragen wirklich zu bewerten ist.

In Niedersachsen haben sich bereits mehrere Wolfsrudel etabliert, die sich jährlich reproduzieren. Für Isegrim, der an einem einzigen Tag bis zu 70 Kilometer zurücklegen kann, sind somit Entfernungen von Niedersachsen nach NRW leicht zu überbrücken. Damit ein konfliktarmes Miteinander möglich wird, ist noch viel Arbeit zu verrichten. Die Mitmenschen müssen sachlich über den Wolf informiert werden. Falsche Vorurteile aus vergangenen Jahrhunderten müssen schnellstens richtig gestellt werden.

k-zaunVor allem die Nutztierhalter werden sich stark umstellen müssen. Mit dieser zusätzlichen Belastung kann man sie nicht alleine lassen. Die vom Gesetzgeber bereitgestellten finanziellen Mittel sind jedoch nur ein Punkt effektiver Hilfe. Der Schutz der Herden kann verschiedene Punkte umfassen. Von einfachen Lappenzäunen bis zum Nachtpferch. Auch Herdenschutzhunde minimieren einen möglichen Wolfsangriff. Dass ein richtig eingesetzter Herdenschutz funktioniert, zeigen auch die Beispiele aus anderen Ländern. In Italien werden seit Jahren Erfolge gemeldet. Auch in Spanien leisten vor allem Herdenschutzhunde gute Arbeit. In den osteuropäischen Ländern waren die großen Beutegreifer, Bär, Luchs und Wolf, nie verschwunden. So ist dort auch das Wissen um einen effektiven Herdenschutz nie verloren gegangen. Mehr als 150 Jahre haben wir dieses Wissen nicht benötigt. Die Erinnerung daran wird uns nicht über Nacht im Traum geschenkt. Aber mit etwas gutem Willen werden wir es meistern. Der Wolf gehörte Jahrtausende in unsere Wälder. Jetzt kehrt er langsam zurück.

Weitere Informationen und Links:

Wolfsmanagementplan für Nordrhein-Westfalen (erschienen in „Natur in NRW“, 2016, ab Seite 17)

Am 11.04.2016 hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) den ersten Wolfsmanagementplan für Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Der Beitrag ab Seite 17 beschreibt die Vorgehensweise bei der Erstellung des Plans, seine Inhalte und die weitere Entwicklung im Wolfsmanagement in Nordrhein-Westfalen. Abschließend wird ein Überblick über die aktuell bekannt gewordenen Wolfsnachweise in Nordrhein-Westfalen gegeben.

„Neues vom Wolf – Wie sich ein „Erwartungsland“ auf die Rückkehr vorbereitet“ von Dr. Ingrid Hucht-Ciorga (erschienen in „Rheinisch-Westfälischer Jäger 06/2015“)

„Naturschutz, Schafzucht, Landwirtschaft, Jagd und Land NRW erstellen gemeinsam Leitfaden zum Umgang mit Wölfen“ (Pressemitteilung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen vom 13.02.2015)

Luchs und Wolf in NRW (erschienen in „Natur in NRW“, 2011)