Wölfe in Deutschland

1904 wurde bei Hoyerswerda der „letzte Wolf“ Deutschlands erschossen. Danach gab es immer wieder vereinzelte Grenzgänger, die von Osten kommend vor allem nach Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern einwanderten. Doch keiner von ihnen überlebte besonders lange. Bis zur Wiedervereinigung galten die Wölfe in der DDR noch als jagdbares Wild. Heute stehen sie unter strengem Artenschutz. Dennoch wurden seit 2000 siebzehn Wölfe unerlaubt geschossen.

Nach rund 150 Jahren wurden im Jahr 2000 in Deutschland erstmals wieder Wolfswelpen von einer in Freiheit lebenden Wölfin geboren. Die Geburt der Jungwölfe in der sächsischen Oberlausitz war der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die bereits ab Mitte des letzten Jahrhunderts mit vereinzelt einwandernden Wölfen aus den östlichen Nachbarländern begann. Zwischen 1945 und 1990 versuchten mindestens 22 Wölfe erfolglos – sie wurden geschossen oder fielen dem Straßenverkehr zum Opfer – in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Ab den 90er Jahren traten Wolfsbeobachtungen in Brandenburg und Sachsen häufiger auf. Die in den Rudeln geborenen Welpen wandern nach einiger Zeit als Jährlinge ab und bewegen sich zunächst im Umfeld der Territorien, bis sie ihr eigenes Territorium besetzen.

 

Mitteleuropäische Tieflandpopulation (Stand 22.11.2017)

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Totfunde seit 2000 (Stand 31.12.2016)

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Woher kommen die Wölfe?

Wölfe werden in Deutschland nicht „angesiedelt“ – sie erobern sich ihre Lebensräume ohne menschliche Hilfe zurück und wandern z.B. aus Polen nach Deutschland ein. In den letzten 60 Jahren gab es immer wieder Belege von eingewanderten Wölfen – sie wurden in der Regel geschossen. Meist kamen die Nachweise aus den grenznahen Gebieten. Vereinzelt gab es sogar Berichte, dass Wölfe beim Durchqueren der Oder bzw. Neiße, den Grenzflüssen zwischen Polen und Deutschland, gesehen wurden.

Die Rückkehr der Wölfe schließt eine Lücke in unserer Tierwelt, denn große Beutegreifer spielen eine Schlüsselrolle in unserem Ökosystem: Sie sind wichtige Gegenspieler der großen Pflanzenfresser. In vielen Gebieten verminderten sie durch ihre Jagd deren Zahl und verhindern, dass sich zum Beispiel Reh- und Rotwild zu stark vermehren und ihren Lebensraum übernutzen.

In anderen Gebieten ist dies nicht so ausgeprägt der Fall. Dann steht eine andere Wirkung der Wölfe im Vordergrund: Da sie aus dem Bestand der Huftiere vor allem die kranken, schwachen und jungen Tiere erbeuten, üben sie einen positiven Einfluss auf den Gesundheitszustand der Beutetierpopulation aus.

Was ist zu tun?

Die Reaktionen auf die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland sind überwiegend positiv. Gelegentlich begegnet man den Wölfen aber auch mit Vorbehalten und Sorgen, denn im Gegensatz zu den Bevölkerungen der traditionellen europäischen „Wolfsländer“ spielten diese Beutegreifer in den vergangenen Jahrhunderten in den Köpfen der Menschen keine nennenswerte Rolle mehr.

Wir Menschen in Deutschland müssen daher – auch als Naturschützer – erst wieder lernen, mit dem Wolf in unserer Nachbarschaft zu leben.

NABU-Wolfsposition – Leitlinien zum Schutz des Wolfes (PDF)