Die NINA-Studie (2002)

Zur realistischen Einschätzung des Gefährdungspotenzials, das von Wölfen gegenüber Menschen ausgeht, haben 18 führende Experten aus Ländern mit Wolfsvorkommen im Auftrag des Norwegischen Institutes für Naturforschung (NINA) im Jahr 2002 eine Studie erstellt. Die NINA-Studie (The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans), in die sämtliche existierende Literatur und das Wissen über Wolfsangriffe aus Europa, Asien und Nordamerika aus den letzten Jahrhunderten eingeflossen ist, gilt als das umfassendste und fundierteste Werk zu diesem Themenkomplex. Demnach ist das Risiko in Europa oder Nordamerika von einem Wolf angegriffen zu werden, sehr gering.

In den extrem seltenen Fällen, in denen Wölfe Menschen getötet haben, waren die meisten Angriffe tollwütigen Wölfen zuzuschreiben. Neuere Fälle (d.h. nach 1950) sind selten, obwohl die Zahl der Wölfe in Europa zunimmt. 2007 gab es etwa 15.000 bis 20.000 Wölfe in Europa, 30.000 in Russland und 60.000 in Nordamerika. Trotz dieser Zahlen konnten in Europa in den letzten 50 Jahren nur neun belegte Fälle gefunden werden, in denen ein Mensch von einem Wolf getötet wurde. In fünf von diesen Fällen hatten die Tiere Tollwut. Aus Nordamerika gibt es aus diesem Zeitraum keinen einzigen Fall. Fälle, in denen gesunde wildlebende Wölfe Menschen angegriffen haben, sind noch seltener. Dabei handelte es sich zumeist um „habituierte“ Wölfe (Wölfe, die über einen längeren Zeitraum an Menschen gewöhnt wurden, z.B. durch Anfüttern) oder Provokation (Wölfe, die massiv bedrängt wurden). Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr für den Menschen aus. Menschen gehören nicht zur normalen Beute von Wölfen.

Das Resümee der NINA-Studie lautet:

  • Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr aus, sie reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und nicht aggressiv. Menschen gehören nicht zur normalen Beute von Wölfen.
  • Das Risiko in Europa oder Nordamerika von einem Wolf angegriffen zu werden ist sehr gering.
  • Angriffe von Wölfen auf Menschen sind grundsätzlich ungewöhnlich und treten nicht spontan auf.
  • In den extrem seltenen Fällen, in denen Wölfe Menschen getötet haben, waren die meisten Angriffe auf Tollwut oder Habituierung (Gewöhnung) zurückzuführen.  

Im folgenden sind noch einmal die Ursachen aufgeführt, die unter Umständen zu einem Angriff eines Wolfes führen können:

Tollwut

In den letzten 50 Jahren sind in Europa 5 Fälle von tödlichen Angriffen auf Menschen durch tollwütige Wölfe bekannt geworden. Die Tollwut spielt heute bei uns keine Rolle mehr, da Deutschland seit 2008 (Brandenburg seit 2000, Sachsen seit 2004) tollwutfrei ist. Die Tollwutsituation wird in Deutschland und seinen Nachbarländern ständig beobachtet. Bei einem eventuell erneuten Auftreten der Krankheit werden entsprechende Gegenmaßnahmen zur Bekämpfung, wie die orale Immunisierung des Fuchses als Hauptüberträger mittels Impfköder, ergriffen.

Habituierung

Wölfe, die über einen längeren Zeitraum an Menschen gewöhnt wurden, z.B. durch Anfüttern, können aufdringliches und dreistes Verhalten entwickeln, was für den Menschen gefährlich werden kann.

Provokation

Bei massiver Provokation bzw. „in die Enge treiben“ von Wölfen kann eine gefährliche Situation entstehen. Wölfe gehen dem Menschen normalerweise aus dem Weg. Indem man bei einer Begegnung mit einem Wolf respektvollen Abstand hält, kann man die Gefahr einer ungewollten Provokation vermeiden.

Quelle: Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“

NINA Norsk institutt for naturforskning: The fear of wolves – A review of wolfs attacks on humans

Das Wolfcenter Dörverden hat die NINA-Studie ins Deutsche übersetzt:

http://www.wolfcenter.de/Vision-Standpunkte-Menschen-in-Gefahr-Studie-weltweit.html